Der König von Thule

  1. Es war einmal ein König in Thule gar treu bis an das Grab,
    dem sterbend seine Buhle einen goldnen Becher gab.
  2. Es ging ihm nichts darüber, er leert' ihn jeden Schmaus,
    die Augen gingen ihm über, so oft er trank daraus.
  3. Und als er kam zu sterben, zählt' er seine Städt' im Reich,
    gönnt' alles seinem Erben, den Becher nicht zugleich.
  4. Er sass beim Königsmahle, die Ritter um ihn her,
    auf hohem Vätersaale dort auf dem Schloss am Meer.
  5. Dort stand der alte Zecher, trank letzte Lebensglut
    und warf den heilgen Becher hinunter in die Flut.
  6. Er sah ihn stürzen, trinken und sinken tief ins Meer,
    die Augen thäten ihm sinken, trank nie einen Tropfen mehr.

Worte: Johann Wolfgang von Goethe.
Weise: Karl Friedrich Zelter.

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