Wohlauf, Kameraden, aufs Pferd
KV-Liederbuch Seite 233
- Reiterlied
- Wohlauf, Kameraden, aufs Pferd, aufs Pferd!
Ins Feld, in die Freiheit gezogen!
Im Felde, da ist der Mann noch was wert,
da wird das Herz noch gewogen,
|:da tritt kein andrer für ihn ein,
auf sich selber steht er da ganz allein.:|
- Aus der Welt die Freiheit verschwunden ist,
man sieht nur Herren und Knechte;
die Falschheit herrschet, die Hinterlist
bei dem feigen Menschengeschlechte.
|:Der dem Tod ins Angesicht schauen kann,
der Soldat allein ist der freie Mann.:|
- Des Lebens Ängsten, er wirft sie weg,
hat nichts mehr zu fürchten, zu sorgen;
er reitet dem Schicksal entgegen keck,
trifft's heut" nicht, trifft es doch morgen;
|:und trifft es morgen, so lasset uns heut'
noch schlürfen die Neige der köstlichen Zeit!:|
- Von dem Himmel fällt ihm sein lustig Los,
braucht's nicht mit Müh' zu erstreben.
Der Fröner, der sucht in der Erde Schoß,
da meint er den Schatz zu erheben;
|:er gräbt und schaufelt, solang er lebt,
und gräbt, bis er endlich sein Grab sich gräbt. :|
- Der Reiter und sein geschwindes Roß,
sie sind gefürchtete Gäste.
Es flimmern die Lampen im Hochzeitsschloß, ungeladen kommt er zum Feste;
|:er wirbt nicht lange, er zeiget nicht Gold:
im Sturm erringt er den Minnesold.:]
- Warum weint die Dirn' und zergrämet sich schier?
Laß fahren dahin, laß fahren!
Er hat auf Erden kein bleibend Quartier,
kann treue Lieb' nicht bewahren.
|:Das rasche Schicksal, es treibt ihn fort, seine Ruh läßt er an keinem Ort. :|
- Drum frisch, Kameraden, den Rappen gezäumt!
Die Brust im Gefechte gelüftet!
Die Jugend brauset, das Leben schäumt:
frisch auf, eh' der Geist noch verduftet.
|: Und setzet ihr nicht das Leben ein,
nie wird euch das Leben gewonnen sein!:|
- Auf des Degens Spitze die Welt jetzt liegt,
drum wohl, wer den Degen jetzt führet!
Und bleibt ihr nur wacker zusammengefügt,
ihr haltet die Welt und regieret.
|:Es steht keine Krone so fest, so hoch,
der mutige Springer erreicht sie doch. :|
Worte: Friedr. v. Schiller, 1797 (1759—1805) Weise: Christian Jak. Zahn, 1797 (1765—1830) (Aus d. Dt. Kommersbuch, Verl. Herder Frbg.)