Wohlauf, Kameraden, aufs Pferd

KV-Liederbuch Seite 233

    Reiterlied

  1. Wohlauf, Kameraden, aufs Pferd, aufs Pferd!
    Ins Feld, in die Freiheit gezogen!
    Im Felde, da ist der Mann noch was wert,
    da wird das Herz noch gewogen,
    |:da tritt kein andrer für ihn ein,
    auf sich selber steht er da ganz allein.:|

  2. Aus der Welt die Freiheit verschwunden ist,
    man sieht nur Herren und Knechte;
    die Falschheit herrschet, die Hinterlist
    bei dem feigen Menschengeschlechte.
    |:Der dem Tod ins Angesicht schauen kann,
    der Soldat allein ist der freie Mann.:|

  3. Des Lebens Ängsten, er wirft sie weg,
    hat nichts mehr zu fürchten, zu sorgen;
    er reitet dem Schicksal entgegen keck,
    trifft's heut" nicht, trifft es doch morgen;
    |:und trifft es morgen, so lasset uns heut'
    noch schlürfen die Neige der köstlichen Zeit!:|

  4. Von dem Himmel fällt ihm sein lustig Los,
    braucht's nicht mit Müh' zu erstreben.
    Der Fröner, der sucht in der Erde Schoß,
    da meint er den Schatz zu erheben;
    |:er gräbt und schaufelt, solang er lebt,
    und gräbt, bis er endlich sein Grab sich gräbt. :|

  5. Der Reiter und sein geschwindes Roß,
    sie sind gefürchtete Gäste.
    Es flimmern die Lampen im Hochzeitsschloß, ungeladen kommt er zum Feste;
    |:er wirbt nicht lange, er zeiget nicht Gold:
    im Sturm erringt er den Minnesold.:]

  6. Warum weint die Dirn' und zergrämet sich schier?
    Laß fahren dahin, laß fahren!
    Er hat auf Erden kein bleibend Quartier,
    kann treue Lieb' nicht bewahren.
    |:Das rasche Schicksal, es treibt ihn fort, seine Ruh läßt er an keinem Ort. :|

  7. Drum frisch, Kameraden, den Rappen gezäumt!
    Die Brust im Gefechte gelüftet!
    Die Jugend brauset, das Leben schäumt:
    frisch auf, eh' der Geist noch verduftet.
    |: Und setzet ihr nicht das Leben ein,
    nie wird euch das Leben gewonnen sein!:|

  8. Auf des Degens Spitze die Welt jetzt liegt,
    drum wohl, wer den Degen jetzt führet!
    Und bleibt ihr nur wacker zusammengefügt,
    ihr haltet die Welt und regieret.
    |:Es steht keine Krone so fest, so hoch,
    der mutige Springer erreicht sie doch. :|

Worte: Friedr. v. Schiller, 1797 (1759—1805) Weise: Christian Jak. Zahn, 1797 (1765—1830) (Aus d. Dt. Kommersbuch, Verl. Herder Frbg.)

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